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Freitag, 8. April 2011

Schneller Erfolg



Ich brauchte ein schnelles Erfolgserlebnis. Da kam diese Rumlümmel-Hose gerade recht.

Den gestreiften Viscosejersey hatte ich noch. Ich hatte ihn vor einem Jahr gekauft, um ein Sommerkleidchen daraus zu nähen, hatte dies aber bisher noch nicht getan, weil ich vermutete, dass es zu sehr nach Nachthemd aussehen würde. Als ich im Winter nachts immer so fror, sagte mein Mann, ich solle doch nen Schlafanzug anziehen. Spinnst du, antwortete ich, Schlafanzüge sind sowas von uncool, dann können wir gleich getrennte Schlafzimmer haben.

Aber jetzt bin ich krank (Stirnhöhlen-Aua und todmüde) und freue mich sehr an meiner vorgestern Abend genähten unmöglichen Rumlümmelhose. Und wenn ich genug gelümmelt habe, dann versuche ich mich wieder an dem Mantel.

P.S. Ja, ich steige mit Rückenschmerzen und nem dicken Kopf auf einen Hocker, um mich im Flur vor dem Spiegel, der nicht bis zum Boden geht, zu fotografieren. Das ist Einsatz!

Montag, 20. September 2010

So fing alles an


Latzhose Ursel1, ursprünglich hochgeladen von Liebchen-Hamburg (das eine Bein ist umgekrempelt, s.u.)

Ich wollte einen Wochenendworkshop. Egal was. Hauptsache mal raus. Ich hatte keine Ahnung, worauf ich Lust hatte. Und keine Lust, mir Gedanken zu machen. Also meldete ich mich bei einem Nähkurs der Elternschule an. Zwei Freundinnen fanden es dort gut. Die Elternschule besuche ich sowieso mehrmals die Woche. Also war es ganz einfach, sich dort anzumelden. Mitte Februar diesen Jahres war es. Eigentlich noch gar nicht soo lange her. Niemals hätte ich gedacht, was sich daraus entwickeln würde!


Eigentlich wollte ich ja was für mich machen. Also Zeit für mich. Ich entschied mich trotzdem, etwas für den Kleinen zu nähen. Schließlich wollte ich bei Frau Tulpe kaufen. Es juckte mich ja schon seit dem ich den Laden (in Berlin) kannte, dort irgendwas, was auch immer, zu kaufen. Also ging ich ungefähr 3 x in den Laden, bis ich mich entschieden hatte. Zunächst war eine Nickyweste geplant - die zwar zugeschnitten, aber immer noch nicht genäht ist. Dann entdeckte ich das Schnittmuster für die Latzhose Ursel.

Der erste Frust war ein falsch zugeschnittenes Bein. Mist, hätte doch im Bruch zuschneiden sollen. Das Gute, an derartigen Fehlern ist aber, dass man sie selten wiederholt. Glücklicherweise hatte ich genügend Stoff, um das Bein noch mal zuzuschneiden. Und dann gings los. Unsere Nählehrerin war ziemlich streng. Sie rügte mich gleich für unordentliches Zuschneiden. Also machte ich alles noch mal sorgfältig mit kleinerer Nahtzugabe und arbeitete fortan sauber und genau.... und war erstaunt, dass dieses sorgfältige Arbeiten sogar richtig Spaß machte.

Das Ergebnis, die fertige Latzhose war einfach wunderschön. Ich war soooo stolz.

Und dann probierte der Kleine sie an und sagte von Anfang an "nein". Er mag sie einfach nicht. Erst dachte ich, es läge daran, dass sie zu lang ist. Selbst, wenn ich das Hosenbein umschlage und festnähe, ist es wohl komisch dieses ausgestellte Bein, diese fiesen dicken Stoffwülste an den Beinen zu haben. Es bleibt mir also nichts übrig, als abzuwarten, bis er in die Hose hineingewachsen ist und das Bein "lang" getragen werden kann. Sonderlich optimistisch bin ich allerdings nicht, denn andere Latzhosen mag er auch nicht. Ich werde ihn den Winter über versuchen, mit einer Cord-Latzhose abzuhärten und hoffe auf den nächsten Frühling mit längeren Beinen.

Danach gab es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: aufgeben und das Nähen Nähen sein lassen oder eben weitermachen.

Der Versuch machte klug. Fortan erzählte ich ihm nicht mehr, dass etwas selbst gemacht ist. Es juckt mich zwar immer in den Fingern, weil ich so stolz auf mein Liebchen bin, aber je mehr Bohai ich mache, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass er es ablehnt. Mittlerweile weiß er zwar, was nähen ist und bekommt oft mit, dass ich etwas mache, aber ich bin immer noch zurückhaltend, denn Ablehnung von Liebchen ist wirklich doof.